07.06.2018

IN PLANUNG: RATHAUS NEUNBURG VORM WALD

Aus der Analyse und Interpretation der Nachbargebäude entstand für die Erweiterung des Rathauses ein dreistöckiger Baukörper mit Walmdach, dessen Blechdacheindeckung über das oberste Geschoss heruntergezogen wird. Dadurch wird einerseits die Gestaltung des Nachbargebäudes interpretiert ohne die Dachform zu kopieren, andererseits wird dadurch die in den unteren Geschossen verputzte Fassade gegliedert und dem Bauwerk Höhe genommen. Das Gebäude fügt sich somit harmonisch in die Körnung der Umgebung ein, wodurch von Passanten die Dreigeschossigkeit nicht als solche wahrgenommen wird.
 



Kontext und Städtebau
Die Nachbarschaft des Grundstückes mit der Flurnummer 226 (Im Berg 7) zählt neben dem Aign zu den ältesten und wich-tigsten Siedlungskernen der Stadt Neun-burg vorm Wald. Hier befinden sich unter anderem die Stadtpfarrkirche St.Josef, das Pfarrheim der katholischen Gemeinde St.Josef, das Stadtmuseum und die ehemalige Burg- und Schlossanlage. Die empfindlichste Änderung erfuhr die kleinteilige Körnung des Stadtteils durch die Erweiterung der Pfarrkirche mit dem Neubau des Pfarrheimes.

 

Denkmalschutz und bestehende Bebauung
Auf dem Grundstück mit der Flurnummer 226 (Im Berg 7) befindet sich auf dessen Grenze zum Halsgraben hin neben einem Teil der Burgmauer aus dem 15. Jahrhundert ein Keller mit Tonnengewölbe (circa 9,0 x 5,5 m) ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert und darüber ein Gebäude („Altmannhaus“) aus der Nachkriegszeit. Zudem befindet sich ein Nebengebäude im Hof/Garten des Anwesens, welches durch eine Mauer restlich umschlossen ist.


Entwurfsaufgabe
Aufgabe ist es einen Neubau als Erweiterung des Rathauses der Stadt Neunburg vorm Wald zu errichten. Diese Erweiterung beinhaltet vor Allem neben einem Foyer und Trauzimmer neue Räumlichkeiten für Bürgermeister, Geschäftsleitung und für das Bauamt. Auf Barrierefreiheit ist dabei ebenso zu achten, wie auf eine Anknüpfung an die Höhen des Rathausbestandes. Zudem kann somit und mit der Hilfe eines Aufzuges die Barrierefreiheit des gesamten Rathauses hergestellt werden. Zudem werden im bestehenden Rathausgebäude Räume für neue Funktionen umgewidmet und erfüllen zusammen mit dem Erweiterungsbau den aktuellen Raumbedarf des Rathauses.

Vorgehensweise
Ein neues Bauwerk sollte hier so wenig als möglich versuchen, historisches Gebäude zu sein, mit alten handwerklichen und gestalterischen Details und sich blind in den Kontext einfügen, während es die Nachbargebäude ohne Respekt kopiert. Es sollte auch nicht versuchen, bedingungslos und ohne Rücksicht auf die Nachbarschaft rein aus sich selbst heraus entwickelt zu wirken. Dann würde es zwar als selbstbewusster, aber umso mehr als störender Fremdkörper wahrgenommen werden.
Hier ist ein sensibler Umgang beim Einfügen einer neuen Struktur notwendig. Ein Gebäude das aus der Analyse und Interpretation seiner historischen Nachbarn entwickelt wurde, aber dennoch zeitgemäß in gestalterischen und technischen Aspekten ist und auch wirkt. Also ein Bauwerk seiner Zeit, das seinen Kontext res-pektiert.
 

Entwurfsansatz, Materialität und Außenwirkung
Aus der Analyse und Interpretation der Nachbargebäude entstand daher ein dreistöckiger Baukörper mit Walmdach, dessen Blechdacheindeckung über das oberste Geschoss heruntergezogen wird. Dadurch wird einerseits die Gestaltung des Nachbargebäudes interpretiert ohne die Dachform zu kopieren, andererseits wird dadurch die in den unteren Geschossen verputzte Fassade gegliedert und dem Bauwerk Höhe genommen. Das Gebäude fügt sich somit harmonisch in die Körnung der Umgebung ein, wodurch von Passanten die Dreigeschossigkeit nicht als solche wahrgenommen wird.
Der Rücksprung in der Nordfassade gliedert den Baukörper in einen Hauptkörper, der dem Maßstab des Bestandsgebäudes entspricht und ein Rückgebäude. Desweiteren gibt es einen Verbindungskörper zwischen Rathaus und dem Erweiterungsbau.
Die Fenster orientieren sich an den Fensterpaaren des Rathausbestandes und ergeben so eine gleichmäßig angelegte Lochfassade.
 

Erschließung und Innenräume
Die horizontale, barrierefreie Erschließung mit repräsentativem Eingang befindet sich vom Innenhof her. An diesen schließt sich ein zweigeschossiges Foyer mit Galerie an. Zudem befinden sich im bereits erwähnten Verbindungskörper ein Aufzug und die Treppen zum Höhenausgleich der Ebenen beider Gebäude.
Wie außen, so wird auch innen versucht das historische Erbe zeitgemäß zu interpretieren. Die Fensterpaare erhalten von der Innenseite angeschrägte, raumhohe Fensterlaibungen, um, wie in historischen Gebäuden üblich, mehr Tageslicht in den Raum zu transportieren.

Gebäudetyp:Gebäudetyp
Standort:Standort
Bauherr:Bauherr