17.02.2025

SANIERUNG WOHNSTALLHAUS BUCHBINDERGASSE MIT STADL

Die ehemalige Hofstelle in der Buchbindergasse 6 wird behutsam saniert und wieder als Wohnhaus genutzt. Historische Raumstrukturen und Materialien bleiben erhalten und werden mit zeitgemäßer Haustechnik ergänzt. So entsteht aus einem beinahe übersehenen Altstadtgebäude wieder ein lebendiger Teil Neunburgs.



Die ehemalige Hofstelle in der Buchbindergasse 6 besteht aus einem zweigeschossigen Wohnstallhaus, einem rückwärtigen Stadel und einem geschützten Innenhof. Das Anwesen liegt im denkmalgeschützten Ensemble der Altstadt von Neunburg vorm Wald und ist ein selten erhaltenes Zeugnis des ehemals handwerklich und landwirtschaftlich geprägten Stadtviertels.

Im Gebäude aufgefundene Steueraufzeichnungen weisen auf einen Wiederaufbau des Wohnhauses im Jahr 1806 hin – wenige Jahre nach dem großen Stadtbrand von 1800. Spätestens 1822 ist in den historischen Katastern ein Wohnhaus mit Stall belegt. Eine dendrochronologische Untersuchung datiert den Dachstuhl und die Deckenbalken über dem Erdgeschoss in das Jahr 1861. Der rückwärtige Stadel wurde 1932 erneuert und schließt an den Verlauf der ehemaligen spätmittelalterlichen Stadtmauer an.

Ziel der Sanierung ist es, die überlieferte Hofstruktur und die bauzeitliche Grundrissgliederung zu bewahren und wieder als Wohnhaus nutzbar zu machen. Neuzeitliche Einbauten wie Styropor-Innendämmungen, Gussasphaltestriche, Heraklithdecken, Gipskartonverkleidungen, PVC-Beläge und Glasbausteine wurden zurückgebaut. Dadurch treten die ursprünglichen Raumzusammenhänge und historischen Oberflächen wieder hervor.

Der ehemalige Stall bleibt mit seinem Kappengewölbe und dem traditionellen Schroppenboden als eigenständiger Raum erhalten. Auch der zentrale Flez, die Stube und die kleinteilige Raumstruktur des Wohnhauses werden in das neue Nutzungskonzept einbezogen. Der Stadel dient weiterhin als Nebengebäude und bietet Abstell- und Lagerflächen.

Die Instandsetzung folgt den überlieferten Materialien und handwerklichen Techniken. Kalk- und Lehmputze, Fichtendielen, Holzdecken, Kassettentüren, Granitplatten und Ziegelböden prägen die Innenräume. Neue zweiflügelige Holzfenster aus Kiefer mit Wiener Sprossen, profilierten Rahmen und traditionellen Fensterläden orientieren sich am historischen Erscheinungsbild.

Der vorhandene Kellenwurfputz der Fassaden wird weitestgehend erhalten und nur an Fehlstellen ergänzt. Die Farbgebung wird aus den vorgefundenen historischen Fassungen entwickelt. Der historische Dachstuhl wird zimmermannsmäßig instand gesetzt und wieder mit naturroten Doppelmuldenfalzziegel gedeckt. Auch der ursprünglich knappe Dachüberstand wird wieder hergestellt.

Eine Wärmepumpe, Wandheizungen und behutsam integrierte haustechnische Anlagen ermöglichen einen zeitgemäßen Wohnkomfort, ohne die historische Substanz durch umfangreiche Eingriffe zu überformen. Granitsäulen und ein traditioneller Hanichelzaun stellen schließlich die für das Straßenbild wichtige Einfriedung des Hofes wieder her.

Das Projekt zeigt, welches Potenzial auch in einem unscheinbaren, nicht als Einzeldenkmal eingetragenen Gebäude liegen kann. Durch einen denkmalpflegerisch sensiblen Umgang wird die ehemalige Hofstelle als Teil der gewachsenen Altstadt erhalten und dauerhaft mit neuem Leben gefüllt.

Gebäudetyp:Wohnhaus
Standort:Neunburg vorm Wald
Bauherr:privat
Projektstatus:im Bau
Förderung:Kommunales Förderprogramm, Bezirk der Oberpfalz
Leistungsphasen:1-9